Herren I

Ein Handball-Fest kurz vor Weihnachten

Bezirksoberliga: SG Kempten-Kottern gewinnt mit 30:27 beim TV Waltenhofen. 500 Zuschauer machen beim Derby Stimmung

Von Stephan Schöttl (Allgäuer Zeitung )Als seine Mannen in der Schlussphase den dritten freien Wurf hintereinander vergaben, fuhr sogar der sonst so besonnen und ruhig wirkende Uli Kolb, Trainer des TV Waltenhofen, aus der Haut, pfefferte seine Time-out-Karte auf den Boden und fluchte. Die Abschlussschwäche war an diesem Abend das große Manko bei den Hausherren. Daher ging das Bezirksoberliga-Derby gegen die SG Kempten-Kottern mit 27:30 (12:16) verloren. Feiern ließen sich nach 60 umkämpften und emotionalen Minuten beide Teams. Denn für die 500 Zuschauer in der Waltenhofener Mehrzweckhalle, unter ihnen beispielsweise auch lautstark die Spieler des Landesligisten HSG Dietmannsried/Altusried, gab es zwar wenige Tage vor Weihnachten aus sportlicher Sicht noch nicht den Festtags-Leckerbissen serviert, dafür aber all das, was den Handballsport auszeichnet: Härte, Emotionen, Dramatik.

Den besseren Start erwischten die Gäste. Waltenhofen schien zunächst beeindruckt von der Kulisse. Erst nach sieben Minuten erzielte auch der Aufsteiger seinen ersten Treffer zum 1:4 –per Siebenmeter. Da der Favorit aus Kempten davonzueilen drohte, zog TVW-Coach Kolb mit einer Auszeit nach 13 Minuten quasi die Notbremse. Und das zeigte Wirkung. Sein Team war fortan deutlich besser im Spiel, nutzte vor allem auf den Außenpositionen die Lücken in der SG-Defensive hatte aber in dieser Phase auch zweimal richtig Pech. Dem Waltenhofener Ausgleich standen mehrfach Pfosten und Latte im Weg. „Hätten wir das 9:9 gemacht, wäre Kempten vielleicht noch einmal nervös geworden“, meinte Kolb nach dem Spiel. So aber nahm das Duell schließlich doch den erwarteten Verlauf. Zur Pause führten die Gäste mit 16:12.Hausherren leisten sich zu viele BallverlusteNach dem Seitenwechsel legte der Spitzenreiter nach, führte nach 34 Minuten bereits mit 19:12. Waltenhofen hingegen schloss mit dem hohen Rückstand vor der Brust im Angriff oft zu hektisch und schnell ab. Die Folge waren Ballverluste und Fehlpässe im Spielaufbau. Die Würfe, die doch in Richtung Kemptener Tor kamen, parierte immer wieder Schlussmann Attila Aponyi. Trainer Kolb sagte: „Unsere einzige Chance gegen diese starke Mannschaft war es, keine Fehler zu machen. In der zweiten Halbzeit waren es aber zu viele. Deshalb sind wir nicht mehr rangekommen.“

Und so ist der Rest des Spiels schnell erzählt: Die SG Kempten-Kottern, hinten und vorne stark organisiert von Kreshnik Krasniqi, lag nach 50 Minuten beim Zwischenstand von 27:19 schon mit acht Toren in Front. Erst in der Schlussphase, als SG-Trainer Elmar Romanesen munter durchwechselte und auch den Spielern aus der zweiten Mannschaft und der A-Jugend Einsatzzeiten gönnte, verkürzte der Aufsteiger noch einmal. Die Partie war da aber freilich längst gelaufen.Nach dem Schlusspfiff tanzten die Gäste, die als Tabellenführer in die Weihnachtspause gehen, im Kreis. Und Coach Romanesen meinte: „Wir waren die bessere Mannschaft. Grundstein für den Erfolg war unsere Abwehrarbeit. Die Jungs haben sehr viel Leidenschaft und Kampfgeist gezeigt.“ Sein Gegenüber Uli Kolb gratulierte zum Sieg, lobte aber auch seine Truppe: „Ich bin mit meinen Jungs trotzdem sehr zufrieden. Wir haben nichts hergeschenkt und uns teuer verkauft. Vor so einer Kulisse macht Handball richtig Spaß.“

Es spielten: Wolf A., Vetter (Tor); Wachter 1, Kolb 3/2, Rienaecker 3, Wilde 1, Wölbert 6, Gapinski 3/1, Kovac 4/2, Stadler 4, Hösle 2, Wolf P., Rapps.